Schlafapnoe: CPAP-Therapie senkt den Blutdruck und erhöht die Lebenserwartung

Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS) treten Schätzungen zufolge bei bis zu 17% der Bevölkerung auf, in schwerer Form (mit einem Apnoe-Hypopnoe-Index≥15) bei etwa 6%1-5. Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist die häufigste Form von SBAS und ist gekennzeichnet durch wiederholten kompletten oder teilweisen Verschluss der oberen Atemwege während des Schlafes6. Das Ausbleiben der Atmung führt zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff7 in der Nacht. Auftretende Apnoen (Aussetzen der Atmung) oder Hypopnoen (Verminderung des Atemflusses) führen zu erhöhtem Blutdruck, und das wirkt sich auch dauerhaft auf den Blutdruck am Tage aus8. Studien haben gezeigt, dass OSA durch CPAP (kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck) therapiert werden kann9 und CPAP kann sich daher ebenfalls positiv auf zu hohen Blutdruck auswirken.

In einer aktuellen Studie dazu wurden über 1.000 Patienten untersucht. Verglichen wurden OSA-Patienten mit und ohne CPAP-Therapie mit einer Dauer zwischen 4 und 12 Wochen. Die Daten zeigten eine signifikante Senkung des systolischen Blutdrucks in der Patientengruppe, die CPAP-Therapie erhalten hatte, im Vergleich zur Gruppe ohne CPAP. Interessanterweise war der Effekt deutlicher bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer OSA. Es wird vermutet, dass bei Patienten mit schwerer OSA die Belastungen für die Gefäße und Organe größer sind und sich daher positive Effekte erst nach regelmäßiger Anwendung über längere Behandlungszeiträume zeigen10.

Eine 2003 veröffentlichte Studie zeigte eine Senkung des Blutdrucks bei OSA-Patienten mit CPAP-Therapie über 9 Wochen, wenn die Anwendung regelmäßig erfolgte und somit Apnoen in der Nacht erfolgreich unterbunden werden konnten11.

Eine weitere Studie untersuchte die Wirkung von CPAP auf Patienten, die behandlungsresistent sind; d. h. bei denen trotz der Einnahme von Medikamenten keine Blutdrucksenkung erreicht wird. Auch diese Patienten hatten bei CPAP-Anwendung nach drei Monaten einen deutlich geringeren Blutdruck12.

Da hoher Blutdruck die Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko ist13,14, wurde in einer aktuellen deutschen Studie die Sterblichkeit von Patienten mit und ohne CPAP untersucht. Analysiert wurden Daten von gesetzlich Versicherten in Deutschland im Hinblick auf Behandlungskosten und Sterblichkeit. Etwa 4.000 Schlafapnoe-Patienten mit CPAP-Therapie und 4.000 ohne CPAP-Therapie wurden über drei Jahre lang beobachtet. Nach drei Jahren war die Zahl der Krankenhausaufenthalte in der CPAP-Gruppe signifikant geringer. Die Behandlungskosten verringerten sich im Laufe der Behandlung, was auf die Langzeiteffekte regelmäßiger CPAP-Therapie hindeutet. Was die körperliche Verfassung der Patienten anging, kam die Studie zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Sterblichkeitsrate war bei den CPAP-Patienten erheblich niedriger mit einer Reduzierung des Risikos um mehr als ein Drittel (38%)15.

Quellenangaben

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